/dev/watchdog auf RasPi für Neustart im Fehlerfall nutzen

Der RaspberryPi verfügt über einen hardwareseitig eingebauten watchdog, der das gesamte System im Fehlerfall automatisch neu booten kann. Die Nutzung ist recht einfach, ich will das hier kurz beschreiben.

Installation der Kernelmodule für den Watchdog

Für den Raspberry Pi auf der Systemkonsole folgende zwei Befehle ausführen:

 sudo modprobe bcm2835_wdt
 echo "bcm2835_wdt" | sudo tee -a /etc/modules

Das watchdog device findet man als /dev/watchdog das kann man mit

 ls -al /dev/watchdog

kontrollieren. Das watchdog device funktioniert in der Art, dass es nach dem erstmaligen Öffnen und Beschreiben alle 60 Sekunden beschrieben werden möchte. Bleibt dieses Beschreiben für 60 Sekunden aus, wird ein Reboot ausgelöst.

Wer das testen möchte:

 sudo cat > /dev/watchdog

(damit wird das Device geöffnet. Jetzt einmal <enter> drücken (damit wird das Device erstmalig beschrieben)

nun warten und auf die Uhr schauen :) nach 60 Sekunden sollte der Neustart erfolgen.

Installation des Watchdog Dämon

Der Watchdog Dämon übernimmt die Funktion des regelmäßigen Beschreibens von /dev/watchdog, er tut dies anhand Kriterien, die man in einer conf-Datei vorgibt.

 sudo apt-get install watchdog

Damit wird der Dämon installiert, aber noch nicht gestartet.

Denn nun müssen wir dem Dämon noch eine Konfiguration verpassen, damit er weiss, wie er das laufende System überwachen soll.

 sudo nano /etc/watchdog.conf

In dieser Datei müssen zumindest die beiden folgenden Zeilen aktiviert werden, dazu würd das # am Anfang der Zeile entfernt.

 watchdog-device        = /dev/watchdog
 max-load-1             = 24

Der Rest der Datei bleibt vorerst unangetastet.

Bei mir habe ich die Überwachung so gelöst, dass ich watchdog auf eine Datei prüfen lasse, von der ich genau weiss, dass fhem sie (bei mir) regelmäßig beschreibt. Per at-Definition werden bei mir sämtliche states aller Devices alle 30 Minuten gesichert. Ich habe also eine Datei fhem.save in /opt/fhem/log die sich alle halbe Stunde ändert. Perfektes Futter für den watchdog :)

In die watchdog.conf kommen also noch diese beiden Zeilen:

 file = /opt/fhem/log/fhem.save
 change = 2000

Also wenn sich die Datei 2000 Sekunden lang nicht ändert, geht der watchdog Dämon davon aus, dass irgendwas nicht stimmt und führt den Neustart durch.

Nun müssen wir den Watchdog noch starten:

 /etc/init.d/watchdog start

Die Einbindung in die Runlevel wird bereits bei der Installation durchgeführt, es wird aber bei der Installation kein Starten durchgeführt.

Es gibt /dev/watchdog auch auf Fritzboxen. Ich weiß allerdings nicht, ob es den Dämon dort auch gibt bzw. ob er nachträglich installiert werden kann.

Wer genau wissen möchte, was der Dämon alles überwachen kann, sei auf die Manpage von watchdog.conf verwiesen.

**Warnung! Warnung! Warnung! Warnung! Warnung!**

Ich warne ausdrücklich vor der Nutzung der Netzwerktests (interface oder ping) auf Einplatinencomputern! Damit hat man sich schneller ausgesperrt, als man denkt, denn oft schlägt der watchdog schneller zu als die Zeit, die das Netzwerkdevice braucht, um nach einem Neustart betriebsbereit zu sein. Vor allen Dingen, wenn es sich um WLAN Sticks oder sonstige per USB angeschlossene Komponenten handelt.